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IW: Bericht zu Einkommensunterschieden berücksichtigt wichtige Aspekte nicht

Kölner Ökonomen verweisen auf Zusammenhang mit gestiegener Zuwanderung

Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht in dem jüngsten Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung wichtige Aspekte unberücksichtigt. Unumstritten sei, dass die Einkommensungleichheit und die relative Armutsgefährdungsquote heute höher lägen als etwa zu Beginn der 90er Jahre, erklärten die IW-Experten Judith Niehues und Christoph Schröder am Montag. Die jüngste Entwicklung hänge jedoch "maßgeblich mit der gestiegenen Zuwanderung und Flüchtlingsmigration der letzten Jahre" zusammen. 

Der Verteilungsbericht basiert auf den Daten des sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Wenn die speziellen Stichproben der Flüchtlinge im SOEP ausgeklammert würden, stelle der Wert im Jahr 2016 keinen Höchstwert mehr da, erklärte das IW. 

Zudem habe sich die Stichprobe des SOEP in den vergangenen Jahren verändert. Durch eine neu ergänzte Migrationsstichprobe im Jahr 2013 sei die Zuwanderung der Jahre 1995 bis 2010 besser abgebildet worden. Berechnungen zeigen demnach, dass der Rückgang der Einkommen der unteren zehn Prozent zwischen 2012 und 2013 vor allem auf diese Veränderung der Stichprobe zurückgeht. 

Eine Quelle ohne vergleichbare Stichprobenveränderungen im besagten Zeitraum ist laut IW der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Darin würden die Einkommen zwar nicht so detailliert abgefragt wie auf Basis des SOEP, es handele sich aber mit rund 830.000 Menschen in etwa 370.000 Privathaushalten um die umfangreichste Haushaltsbefragung in Deutschland. Die Sozialberichterstattung der Statistischen Ämter von Bund und Ländern dokumentiere für die Jahre 2005 bis 2018 auf Basis des Mikrozensus keine Veränderungen bei der Einkommensungleichheit, heben die IW-Experten hervor.

Allerdings liege auch die "Armutsgefährdungsquote" auf Basis des Mikrozensus im Jahr 2018 mit 15,5 Prozent oberhalb des Wertes des Jahres 2005 (14,7 Prozent). Gleichzeitig habe sich das Armutsrisiko bei Menschen ohne Migrationshintergrund leicht verringert (von 11,6 Prozent auf 11,4 Prozent), bei Menschen mit Migrationshintergrund nahm es demnach von 28,2 Prozent auf 27,2 Prozent ab. "Der jüngste Anstieg der Armutsgefährdungsquote geht somit vorrangig auf eine veränderte Zusammensetzung der Bevölkerung zurück", betonte Niehues. 

Dies heiße keineswegs, dass der Anstieg der Ungleichheit weniger relevant sei. Jedoch lasse sich die Entwicklung nicht einer zu geringen staatlichen Umverteilung anlasten, hob die Ökonomin hervor. 

Nach Darstellung des Wirtschaftsinstituts ist ferner wichtig, dass durch Migration nicht die Einkommen und Löhne der bereits hier Lebenden gedrückt wurden. Die Einkommen der jeweils ärmsten zehn Prozent seien im Durchschnitt gesunken, weil viele Menschen mit noch geringeren Einkommen hinzugestoßen seien. Gleichzeitig habe sich durch das steigende Medianeinkommen die Schwelle zur Armutsgefährdung erhöht.